Donnerstag, 13.08.2026
MENNÄÄN HELSINKIIN!
Donnerstag 13.8.2026
Heute ging es, nach ein paar Tagen in Landau (inklusive LGS, Ringelsberghütte und Schulhausübernachtung) endlich los nach Helsinki. Zwei lange Reisetage würden vor uns liegen, wobei der erste Reisetag der herausforderndere sein würde. Wenn wir es einmal mit dem Zug bis Travemünde und dann auf die Fähre geschafft hätten, wäre der zweite Reisetag ein entspannter, vielleicht sogar langweiliger, auf dem Schiff.
Um 8:45 Uhr trafen wir uns am Bahnhof in Landau. Nicht nur die Schüler*innen waren aufgeregt, auch den Eltern fiel es schwer, als wir sie verabschiedeten. Von nun an waren wir alleine unterwegs. Wir hatten die Unzuverlässigkeit der Deutschen Bahn und deshalb fast 6 Stunden Puffer mit eingeplant. Selbst mit 1-2 Stunden Verspätung würden wir noch ausreichend Zeit für ein entspanntes Abendessen in Hamburg und vielleicht sogar einen kleinen Ausflug an den Strand von Travemünde haben. Die Bahn nahm die Challenge an, so dass wir an dieser Stelle fragen können: Sitzen wir wirklich bei bestem Wetter auf dem Sonnendeck der Fähre, während wir das hier schreiben?
Gleich der erste Zug fiel aus, kommentarlos. Zum Glück hatten wir auch das eingeplant und erreichten unseren ICE in Mannheim ohne Probleme. Hier gewannen wir den Preis für die am besten organisierte Schulgruppe beim Einsteigen in einen ICE. Dennoch stiegen wir dem Schaffner nicht schnell genug ein, weil er übersah, dass nicht wir den Stau verursachten, sondern die älteren Herrschaften, die sich vorgedrängelt hatten und dann alles blockierten. Wir fanden schließlich wohlsortiert unsere Plätze und der ICE fuhr sogar recht pünktlich ab. Jetzt dachten wir: Viel kann nicht mehr schief gehen. Selbst wenn der ICE noch etwas Verspätung reinfährt, haben wir ja genug Zeit in Hamburg.
Gegen 13 Uhr, als uns nur noch Hannover und Uelzen von Hamburg trennten, wurde plötzlich und kommentarlos der Halt in Uelzen gestrichen und die Ankunft in Hamburg verspätete sich laut Anzeige um eine halbe Stunde. Kein Problem für uns. Kurz nach Hannover hielt der Zug plötzlich an einem Regionalbahnhof. Dann standen wir erst mal eine Weile, bis die Durchsage uns mitteilte: Zwischen Hannover und Uelzen gab es einen Gefahrengutunfall, so dass alle Züge umgeleitet wurden. Auf unserer neuen Strecke gab es nun einen Buschbrand nahe der Gleise. Deshalb konnte auch hier kein Zug mehr passieren. Also standen wir die nächsten zweieinhalb Stunden an diesem Bahnhof. Irgendwann wurden die Türen geöffnet. So konnte man sich wenigstens die Füße in der Hitze draußen vertreten. Auch in unserer Gruppe stieg die Langeweile mit fortschreitender Zeit erheblich. Einige von ihnen begannen in Eigeninitiative im Zug beim Verteilen von Trinkwasserpackungen zu helfen. Was für eine tolle Idee!
Nach zweieinhalb Stunden kam die erlösende Durchsage: Wir würden unsere Fahrt nun fortsetzen, aber wieder auf der ursprünglichen Strecke, denn auch wenn der Brand noch schwelte, so war das Gefahrengut mittlerweile beseitigt. Der Zug machte sich nun auf den Weg zurück nach Hannover, um dann über Uelzen nach Hamburg zu fahren. Wir waren froh und planten mit dem Geld, das wir als Entschädigung für die Zugverspätung bekommen würden, in Hamburg Burger essen zu gehen. Leider hatten wir uns zu früh gefreut, denn schon kam die Durchsage, dass aufgrund der sehr hohen Verspätung die Fahrt nun doch bereits in Hannover enden würde. Aufgrund der vielen Verspätungen, die in Hannover an diesem Tag aufgelaufen waren, stapelten sich die Menschen an den Bahnsteigen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten alle in der Gruppe es gut geschafft, möglichst nicht frustriert zu sein. Doch nun drohte die Stimmung zu kippen, denn mittlerweile war es 18 Uhr und ein Abendessen wäre schön gewesen. Stattdessen mussten wir es schaffen, als Gruppe irgendwie in den nächstbesten Zug nach Hamburg zu kommen. Dafür hatten wir genau 7 Minuten Zeit, in denen wir nicht nur einen Zug enterten, sondern auch einem Bäcker alle Brezeln, die er noch hatte, abzukaufen. Für alle, deren Laune wegen des Hungers auf dem Tiefpunkt war, war das die Rettung. An ein Abendessen in Hamburg war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr zu denken. Wir rechneten unsere verschiedenen Optionen durch um festzustellen, dass wir froh sein konnten, wenn wir noch rechtzeitig am Check-in der Fähre ankommen würden.
Gegen 20 Uhr kamen wir in Hamburg an, an einem Bahnsteig ohne Rolltreppe oder Aufzug. Nach 10 Stunden Reise, strapazierten Nerven und halbleeren Bäuchen standen wir mit unseren Koffern vor einer langen Treppe nach oben und einer langen Treppe nach unten. Darunter litten besonders die mit den großen, schweren Koffern (Lehrerinnen eingeschlossen). Aber auch hier war der Zusammenhalt groß und die, die noch konnten, halfen denen, die nicht mehr konnten. So saßen wir schließlich alle, völlig abgekämpft, im Zug Richtung Travemünde und wussten, dass dort vom Bahnhof aus noch 30 Minuten Fußweg vor uns lagen. Im ursprünglichen Plan wären wir die nachmittags entspannt gelaufen. Doch allmählich war die Zeit knapp und die Dunkelheit schon eingesetzt. Eine Station vor unserem Haltepunkt kam plötzlich und unerwartet die Durchsage: Wer den Shuttle-Bus zum Skandinavien-Kai erreichen möchte, solle bereits hier aussteigen! Wir hatten ca. 10 Sekunden uns zu entscheiden und saßen in zwei verschiedenen Abteilen. Wir entschieden uns auszusteigen und fanden, mehr schlecht als recht, den angeblich gut ausgeschilderten Weg zur Haltestelle. Dort standen wir, 17 Personen mit 17 Koffern, und lasen an der Infotafel, dass man die Gruppe ab 10 Personen anmelden müsse. Ein Telefonat mit den Stadtwerken lieferte die Erkenntnis, dass das natürlich so kurzfristig nicht mehr möglich war. Was nun? Die Gefahr wurde größer und größer, dass wir nicht mehr rechtzeitig am Check-in ankommen würden. Deshalb entschieden wir: Statt die Entschädigung für Abendessen auszugeben, für das ohnehin keine Zeit mehr war, investierten wir sie in vier Taxifahrten, während derer kurzfristig ein Rucksack verschwand und wieder auftauchte. Zwischendurch tauchte auch der Shuttle-Bus auf, der groß genug für uns alle gewesen wäre, aber nun waren die Taxis ja schon bestellt. Schließlich kamen wir alle, völlig erledigt, um 22:30 Uhr am Hafenhaus an, eine halbe Stunde, bevor es mit dem Check-in umständlich geworden wäre. Die Erleichterung wäre sicherlich deutlicher zu spüren gewesen, wären wir nicht alle so platt von der strapaziösen Reise gewesen. Als wir durch das Fenster unsere Fähre erblickten, stellten sich doch noch ein paar Glücksgefühle ein.
Während wir auf den Bus warteten, der uns zur Fähre bringen würde, verteilten wir die letzten Brezeln und alles, was an Proviant noch übrig war und besorgten Wasser für alle. Auf der Fähre angekommen, begannen Strapazen einer ganz anderen Art: Die Zimmer waren noch nicht bezugsfertig und so mussten wir noch mal eine Stunde im Treppenhaus warten. Wenigstens konnten wir so noch gemeinsam dem Geburtstagskind um Mitternacht ein Ständchen singen. Als wir schließlich endlich unsere Kabinen beziehen durften, fielen einige sofort ins Bett, während andere das Sonnendeck in der Dunkelheit erkundeten oder noch bis vier Uhr auf dem Zimmer quatschten.
Was schließen wir aus alledem: Ja, wir sitzen wirklich auf dem Sonnendeck, während wir dies schreiben und auf unseren gestrigen Reisetag zurückblicken!




